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"Wo drückt der Schuh?"
Rasselsteiner Betriebsräten führen "Gesundheitsaudits" durch

In mehrtägigen Schulungsmaßnahmen hatten Experten den Betriebsräten zunächst grundlegendes Gesundheitswissen vermittelt, zum Beispiel über betriebliche Belastungsfaktoren, Erkrankungen wie Haut- oder Wirbelsäulenerkrankungen oder Stress und Burnout. Die Betriebsräte sollten dabei nicht zu medizinischen Fachleuten ausgebildet werden, sondern lernen, sensibel für die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Krankheiten und gesundheitlichen Belastungen am Arbeitsplatz zu sein. "Es geht nicht darum, zu kontrollieren, sondern das ‚Ohr an der Mannschaft' zu haben und herauszufinden, wo der Schuh drückt", erklärt Frank Berssem, Teamleiter Personalentwicklung, der das Konzept der Gesundheitsaudits bei Rasselstein entwickelt hat.

Eine ungewöhnliche Aufgabe für Betriebsräte? Robert Verbücheln, freigestellter Betriebsrat, ist von den Gesundheitsaudits überzeugt: "Wir stehen voll dahinter, weil es uns die Möglichkeit gibt, über ein offizielles Medium Einfluss auf gesundheitliche Belastungen unserer Kollegen zu nehmen. Wir tragen schließlich Mitverantwortung für den Arbeits- und Gesundheitsschutz."

Die Gesundheitsaudits führt der Betriebsrat gemeinsam mit einem Personalverantwortlichen durch, der den Prozess steuert und unterstützt. Das Auditverfahren umfasst dabei folgende Schritte:

  1. Ausgehend von der im so genannten "Belastungsatlas" (Gesundheitsumfrage, Fehlzeiten, Unfallbericht etc) erfassten Belastungssituation wird festgelegt, wo ein Audit notwendig erscheint.
  2. Nachdem der zuständige Teamleiter informiert worden ist, besuchen jeweils zwei Betriebsräte und der Personalverantwortliche die Schicht, bei der Auffälligkeiten festgestellt wurden. Sie nehmen die Arbeitsplätze ins Visier und befragen die Mitarbeiter anhand eines standardisierten Fragebogens.
  3. Die Ergebnisse der Arbeitsplatzbegehung werden anschließend in einem eigens entwickelten Excelformblatt dokumentiert. Hier zeigt eine hinterlegte Ampelfunktion an, wo ein weiteres Vorgehen erforderlich ist. Grün bedeutet: alles in Ordnung, Gelb weist auf vereinzelte Auffälligkeiten hin, Rot zeigt Handlungsbedarf an.
  4. Das Ergebnis wiederum wird mit dem zuständigen Teamleiter besprochen, damit Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet werden können.

"Die Dokumentation der Ergebnisse ist besonders wichtig", so Karl-Heinz Krämer, der zuständige Personalverantwortliche. So kann überprüft werden, wie sich die Gesundheitssituation entwickelt und ob die Maßnahmen Erfolge zeigen."

Inzwischen kommen die Gesundheitsaudits im Betrieb so gut an, dass mehrere Teams freiwillig auditiert werden möchten.

 

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